Große Anfälle

… die bekannteste Form der Epilepsie

Schwere Anfälle mit heftigen Symptomen: „Grand mal“ (franz. für „großes Übel“) sind die vielleicht häufigste und bekannteste Form epileptischer Anfälle und die Meisten wissen gar nicht, dass Epilepsie sich auch ganz anders äußern kann. Alle Anfälle können auch nachts aus dem Schlaf heraus passieren. Ein Grand mal Anfall hat einen typischen Ablauf, der immer gleich oder ähnlich ist.

  • Der Betroffene fällt plötzlich um, evtl. mit einem kurzen Aufschrei oder Seufzer. Er ist sofort bewusstlos.
  • Der Körper versteift sich oder ist schon beim Umfallen (stocksteif) verkrampft (Fachbegriff: „tonische Phase“ ). Schon jetzt ist der Anfall praktisch nicht zu stoppen und wird seinen Verlauf nehmen.
  • Jetzt folgen heftige Zuckungen (Fachbegriff: “klonische Phase“). Bei dem Durcheinander im Gehirn werden jetzt alle Muskeln gleichzeitig aktiviert…
  • Festhalten wäre sinnlos, wenn möglich sollte man denjenigen seitlich lagern (damit die Zunge nicht verschluckt wird) und etwas Weiches unter den Kopf schieben (damit er nicht auf den Boden aufschlägt).
  • Nun kommt es evtl. zu „blutigem Schaum vor’m Mund“. Das kommt daher, dass auch die Kiefermuskeln rhythmisch zucken und die Zunge evtl. dabei verletzt wird, dazu kommt vermehrte Speichelbildung – kann schlimm aussehen, aber man sollte jetzt nichts dagegen unternehmen.
  • Es wird immer noch oft erzählt, man müsste demjenigen nun ein Stück Holz, Gürtel oder sonstwas zwischen die Zähne schieben, damit die Zunge nicht so durchgekaut wird – bitte nicht! In der vorherigen Phase des Anfalls kam es sowieso schon zum Sauerstoff-Mangel durch kurzen Atemstillstand und es läuft schon gut, wenn die Zunge nicht noch verschluckt wird. Auf keinen Fall brauchen wir jetzt Gegenstände im Mund, die das Atmen weiter erschweren.
  • Der Zungenbiss ist typischer Teil des Grand-mal-Anfalls, passiert aber nicht immer. Eine eher harmlose Verletzung, in dem Fall unvermeidlich und nicht so tragisch. Übrigens kann es im Anfall auch zum Urin- o. Stuhlabgang kommen (manchmal)… auch nicht so tragisch.

Spätestens nach ca. fünf Minuten (oder nicht viel länger, bitte auf die Uhr schauen) sollten die Zuckungen aufhören und er wacht auf, ist verwirrt und kann sich an nichts erinnern. Meist wird er müde sein und sollte auch lieber etwas ausruhen, oder er wacht gar nicht so richtig auf und schläft direkt nach dem Anfall tief und fest. Das entspricht der „Post-iktalen Phase“ oben in der Grafik. Es kann auch einige Zeit (Stunden… Tage…) zu Verwirrung/Sprachstörungen usw. führen. Manche fühlen sich auch kurz nach dem Anfall wieder topfit – und manche überschätzen sich dabei…

Wegen des typischen Phasen-Verlaufes ist eine weitere Fachbezeichnung dafür: „tonisch-klonische Anfälle“.

Was tun? So wenig wie nötig – Gefahren beseitigen und genau beobachten (auch die Zeitdauer).

Die größte Gefahr für Leib und Leben ist nicht der Anfall selbst, sondern was alles bei einem derartigen plötzlichen Aussetzer passieren kann.

Stichwort: Straßenverkehr, baden, hantieren mit gefährlichen Gegenständen usw.

Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.

J.W.Goethe
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