Kleine Anfälle

…oder kurze Ausfälle …kein Grund zur Verharmlosung

Diese Anfälle sind einfach weniger spektakulär als ein Grand mal, manchmal bemerkt die Umwelt kaum oder gar nicht, dass etwas nicht stimmt… Die Gefahr für Stürze oder andere Unfälle ist aber genauso groß und solche Anfälle kommen fast immer plötzlich und unberechenbar.

Ein paar Beispiele für „kleine“ Anfälle:

  • Jemand wirkt plötzlich irgendwie abwesend oder verhält sich unangemessen…
  • vielleicht spricht er plötzlich undeutlich und/oder redet „komisches Zeug“
  • vielleicht verdreht er die Augen, verzieht den Mund oder „schneidet Grimassen“
  • vielleicht macht er seltsame Geräusche, fängt an zu lachen oder „grunzen“
  • vielleicht beginnt er tief und/oder unregelmäßig zu atmen, evtl. mit Schnarchgeräuschen
  • vielleicht steht er mitten beim Essen/im Gespräch auf…
  • vielleicht fällt etwas aus der Hand oder er wirft durch einmaliges Zucken etwas weg…
  • vielleicht geht er plötzlich irgendwo hin und weiß nachher nicht, warum…
  • vielleicht zieht er etwas aus oder an oder macht bestimmte Verrichtungen…
  • vielleicht macht er seltsame Bewegungen der Hände/Arme…
  • vielleicht fällt er auch um oder rutscht vom Stuhl – möglicherweise ohne Bewusstlos zu sein..
  • vielleicht gibt es Zuckungen/kurze Versteifung eines Armes/eines Beines/einer Körperhälfte…
  • vielleicht ist er ansprechbar/reagiert, vielleicht auch nicht…
  • nachher kann er sich an nichts erinnern, oder vielleicht doch…
  • Kombinationen davon sind praktisch unendlich.

Was tun? So wenig wie nötig – Gefahren beseitigen und genau beobachten (auch die Zeitdauer).

Man unterscheidet grundsätzlich „fokale“ und „generalisierte“ Anfälle.

„Fokaler Anfall“ (von lat. focus – Herd/Feuerstelle): ein abgegrenzter Bereich im Gehirn ist betroffen. Was dort gesteuert wird, ist im Anfall gestört (z.B. Sprachzentrum), andere Gehirnbereiche funktionieren evtl. normal (deshalb evtl. kein Umfallen/keine Bewusstlosigkeit).

Herdanfälle

„Komplex-fokaler Anfall“: Mehrere Bereiche im Gehirn sind betroffen, andere funktionieren oft recht gut weiter (z.B. Umfallen/unkontrollierte Bewegungen trotz vollem Bewusstsein). Je nach betroffenen Hirnbereich(en) äußern sich die Anfälle ganz verschieden. Häufig geht es mit einer Benommenheit oder Geistesabwesenheit einher (evtl. minutenlang, auch mal 1/2 Stunde…?). Man nenn es auch „psychomotorischer Anfall“ – wegen der geistigen Umnachtung (kaum Reaktion oder gar nicht ansprechbar, obwohl die Motorik unauffällig sein kann. Manche gehen umher und haben normale Bewegungsabläufe, tun aber sinnlose Dinge (z.B. An- o. Ausziehen). Es erinnert mich an Erzählungen von „Schlafwandlern“ – könnte genau das ein psychomotorischer Anfall sein? Ich vermute es, weiß aber praktisch nichts über’s Schlafwandeln…

Anfälle können auch „einfach fokal“ beginnen (konkreter Anfallsherd) und sich dann ausbreiten. Oft ist eine Gehirnhälfte betroffen – deshalb genau beobachten, auf welcher Körperseite Zuckungen/Bewegungen/Kontrollverlust auftritt.

Generalisiert„: Das ganze Gehirn ist betroffen – Totalausfall, nichts geht mehr. Auch das kann „einfach fokal“ an einem Anfallsherd beginnen und sich „generalisieren“ (sekundenschnell auf das ganze Gehirn ausbreiten), oder es ist praktisch sofort alles betroffen – ein Grand mal-Anfall oder…

… Absencen – auch Anfälle im ganzen Gehirn

Absencen sind rel. häufig (v.a bei Kindern/Jugendlichen), aber oft unscheinbar und werden dann kaum ernst genommen. Früher sagte man: „Hans Guck-in-die-Luft“ und „Reiß dich zusammen“. Oft ist es nur ein ganz kurzer Aussetzer und wird nicht weiter beachtet. Aber es ist kurzzeitig eine komplette „Geistesabwesenheit“, denn die Steuerzentrale für alles fällt kurz aus (evtl. vergleichbar mit einem Sekundenschlaf). Das sind generalisierte Anfälle – gleiche Kategorie wie Grand mal und es können auch diese schweren Anfälle daraus werden!

So eine „kleine Absence“, kurze geistige Umnachtung, kann z.B. im Straßenverkehr verheerende Folgen haben… Bitte nehmt so etwas ernst und holt euch ärztlichen Rat.

Beispiel: Bei Kindern erkennt man manchmal solche Absencen im Schriftbild – mitten im Wort wird es zu einer Wellenlinie und rutscht nach unten in die nächste Zeile. Dann setzt das Kind oben wieder an und schreibt weiter. So kurz und unauffällig kann das sein! Dann bekommt das Kind einen Anschiss, soll gefälligst ordentlich schreiben… Und ein paar Jahre später hat der junge Erwachsene schwere Anfälle – alle wundern sich…

Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden.

J.W.Goethe

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